Die Tochter der Goldzeit – Rezension

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Rezension von Marco Klomfas

Jo Zybell ist ein Autor, der schon deutsche Fantasy geschrieben (und veröffentlicht) hat, bevor der Markt für heimische Autoren zu boomen begann und man merkt schnell, dass man hier das Buch eines Menschen in den Händen hält, der tatsächlich schreiben kann.
“Tochter der Goldzeit” spielt in einer postapokalyptischen Welt, Jahrhunderte nach dem Untergang der alten Zivilisation. Das Wissen der Vergangenheit ist weitestgehend verschollen. Wo der Großteil der überlebenden Menschheit in die Barbarei zurückverfallen ist, gibt es einige Enklaven, die an geheimgehaltenen Orten in unterirdischen Städten leben und sich Wissen aus der alten, “Goldzeit” genannten Zeit bewahrt haben, vor allem aber das Bewusstsein, wie die damalige Zivilisation sich selbst zugrundegerichtet hat.
Als Krieger von jenseits des Meeres kommen und mit brutaler Gewalt versuchen, den Ort der Lichtburg ausfindig zu machen, in der sich ein Goldzeitschatz befinden soll, mit dem sie die alte Zivilisation unter ihrer Führung wiederauferstehen lassen wollen, beginnt ein Wettlauf zwischen den Bewohnern der unterirdischen Städte, die dies verhindern wollen und den Invasoren, denen jedes Mittel recht ist, an ihr Ziel zu kommen. Zybell schafft eine Welt, in der die Zukunft eine mythische Vergangenheit geworden ist, in der es Magie und Wesen aus einer Anderswelt gibt, die aber nicht omnipräsent sind oder auffällig agieren.
Statt Feuerbällen und Orkhorden stellt das Übernatürliche auch hier etwas Besonderes dar und neben der durchaus vorhandenen Magie existieren an Magie gemahnende Fähigkeiten und Technologie, die zu einem durchaus runden Ganzen verschmelzen. Die verschiedenen Handlungsstränge der Charaktere, die nicht alle gleichzeitig einsetzen, erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte und werden geschickt zum dramatischen Ende des Buches ineinander verwoben, wo sich nicht nur das Schicksal der Goldzeit, sondern auch die Schicksale der Figuren entscheiden.
Dabei fällt wohlwollend auf, dass Zybell sich weitgehend der üblichen Schwülstigkeit enthält, die viele Fantasyromane liefern, glaubwürdige Charaktere liefert, die sich, im Gegensatz zu vielen “Helden” auch schon mal Gedanken dazu machen, dass sie z.B. im Verlauf der Handlung mal töten müssen und vor allem, dass er es schafft, all dies in einem dicken Buch unterzubringen, anstatt die Handlung in eine Trilogie auszuwalzen.
Alles in allem ein gut geschriebenes, kurzweiliges Buch, dass so ziemlich jeden Fantasyleser ansprechen dürfte, der auf Elfen und Zwerge verzichten kann und dem es nichts ausmacht, mal mit ein paar Klischees weniger bedient zu werden.

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