Kalypto – Rezension

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Rezension von “alice14072013″ (auf lovelybooks.de)

Wären wir bei einer Preisverleihung, würde ich begeistert ausrufen: “And the winner is…” Kalypto – Die Herren der Wälder, ein grandioser, mitreißender Auftakt einer Trilogie um die Errichtung des zweiten kalyptischen Reiches. Ein Roman, der sich deutlich aus einer breiten Masse im Fantasy-Genre hervorhebt und überzeugt.
Das schonmal vorweg: Wäre es mir möglich gewesen Tag und Nacht ohne Unterbrechung zu lesen, ich wäre von dieser Geschichte nicht mehr losgekommen.

Inhalt:
Tausende Sonnenwenden sind nach dem Ende des kalyptischen Reiches vergangen. Jetzt ist die Zeit reif, das zweite kalyptische Reich zu errichten. Vier Magier werden erweckt, das perfekte Volk zu finden, das sich zur Versklavung eignet, um diesem Reich zu dienen.
Der junge, impulsive Lasnic, Angehöriger des Waldvolkes, der eigentlich vor einer ganz eigenen Verantwortung flieht und die junge Ayrin, Königin von Garona werden so ungewollt in ein Abenteuer gezogen, das den Untergang ihres Volkes bedeuten könnte.

Meinung:
Die Geschichte wird abwechselnd aus drei Erzählperspektiven erzählt.
So erleben wir die Handlung aus der Sicht des jungen Waldmannes Lasnic, der jungen Königin Ayrin des Bergvolkes von Garona und der Magierin Catolis, auserwählt und verantwortlich für den Aufbau des zweiten Reiches von Kalypto.
Tom Jacuba ist es gelungen, drei außergewöhnliche Charaktere zu schaffen, die sich mir geradewegs ins Herz geschlichen haben. Das liegt vor allem daran, dass seine Figuren absolut authentisch sind. Sie sind weder schwarz noch weiß, sondern haben neben ihren guten Eigenschaften auch ihre Fehler und Eigenheiten, die sie menschlich und liebenswert machen.
Da ist zu Beispiel Lasnic. Er ist so vielschichtig wie sonst keine Figur. Er hat ein wahres Kämpferherz, zeigt eine Härte im Kampf, die seinesgleichen sucht, kann sich aber auch Ängste eingestehen und hat ein weiches Herz. Lasnic zeigt offen seine Gefühle wie Wut, Angst und Trauer. Ein “Held” der auch um erlittene Verluste weinen kann. Zudem hat er eine wahre “Schnodderschnauze”, die mich immer wieder schmunzel ließ. Gerade seine Gefühlsbandbreite und kleinen Fehler machen ihn nicht zum überragenden Helden und schaffen eine große emotionale Nähe zum Leser. Nicht immer kann mein seine Handlungen verstehen, aber ich muss gestehen, ich habe selten so sehr mit einer Figur in einem Roman gefühlt.
Beim Lesen durchlebte ich die gesamte Bandbreite der Gefühle. Ich habe geflucht, gezittert, musste schmunzeln, habe gelacht und die ein oder andere Träne vergossen.
Die Charaktere sind bis in die Nebenfiguren sehr detailliert gezeichnet und hervorragend gestaltet. Der Autor hat es geschafft allen eine Persönlichkeit und Geschichte zu geben und sie mir dadurch gefühlsmäßig so nahe zu bringen, dass ich selbst die eigentlich “Bösen” versucht habe zu verstehen. Eine großartige schriftstellerische Leistung bei einer derartigen Vielzahl an Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Erzählstil des Romans ist detailliert und so bildgewaltig, dass sofort das sogenannte Kopfkino des Lesers in Gang gesetzt wird und wunderbare Bilder und Eindrücke entstehen läßt, die Ihresgleichen suchen. Ich hatte die Szenerien bis ins kleinste Detail vor Augen, war mitten im Geschehen und habe meine eigene Welt um mich vergessen.
Mit einem enormen Erfindungsgeist schafft Tom Jacuba außergewöhnliche, neue Figuren, teilweise auch sehr skurrile, die ich alle vor meinem geistigen Auge hatte und die dieses Werk einzigartig machen. So finden wir Flussparder, Sumpfbären, eine Waldfurie um nur einige Begriffe zu nennen.
Ich verbeuge mich vor dieser Erzählkunst!!

Der Autor schafft es jeder seiner Figuren und Erzählperspektiven ihre ganz eigene Sprache und Ausdrucksweise zu geben, so dass sie sich deutlich voneinander abheben und unterscheiden. So war es nie ein Problem sich innerhalb der Perspektivenwechsel zurechtzufinden. Tom Jacubas Spiel mit den verschiedenen Sprachen und Ausdrücken ist einfach grandios. So finden wir knappe, teils schnodderige Sätze mit derben Flüchen, genialen Wortwitz und Dialekte, die uns zum Schmunzeln bringen, die im Gegensatz zu feinerer gehobener Sprache stehen. Das gibt dem jeweiligen Volk oder Charakter einen hohen Wiedererkennungswert.

Die Handlung baut sich von Anfang an in einem hohen Spannungsbogen auf, der den Leser von Beginn an nicht losläßt und kaum Zeit zum Durchatmen gibt. Dies wird unterstützt von unerwarteten Wendungen, schnellen Perspektivenwechseln von Kapitel zu Kapitel, die nicht selten in einem Cliffhanger enden. Dazu gibt der Autor einem immer wieder Rätsel auf, die es zu entschlüsseln gilt. Man hat das Gefühl sich selbst in einem Spiel zu befinden, bei dem man jeden Schritt sorgfältig durchdenken und planen muss. Dies erfordert nicht selten sehr genaues Lesen.

Das Buch endet in einem fulminanten Showdown, der noch viele Fragen offen läßt. So würde Lasnic sagen: “Verfluchte Marderscheiße, ich will unbedingt weiterlesen!”

Fazit:
Ein außergewöhnliches Leseerlebnis, das mich von Anfang an ( vor allem emotional) gepackt hat, mir tief unter die Haut ging und mich lange nicht loslassen wird.
Ich verbeuge mich vor der überragenden, sehr durchdachten erzählerischen Leistung Tom Jacubas, die sich deutlich von der breiten Masse abhebt und seinem Werk etwas Eigenes gibt. Ein Buch mit einer stimmigen, einzigartigen Geschichte und überraschenden Wendungen, für das ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen möchte.
Ich bedanke mich für diese Erfahrung!!!!

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