Archiv: Aufgelesen

Gutes Wetter am 6. August 1945
06. August 2015 | Aufgelesen  

Heute Morgen habe ich im Radio einen “Text” gehört, der mir unter die Haut ging, und der unsere Zivilisation und unser menschliches Wesen und Treiben dermaßen blattschussmäßig auf den Punkt bringt, dass man schreien und toben möchte. Er lautet:
“Es war ein herrlicher, sonniger Tag, ideal für einen Bombenangriff ….”
So sprach der Bombenschütze der Enola Gay (…) weiterlesen

„Günther Jauch“ – lebst du noch oder klatscht du schon?
10. März 2015 | Aufgelesen  

Gestern, nach unterirdischem Tatort, bin ich bei „Günther Jauch“ hängen geblieben. „Putin auf dem Weg in die Diktatur?“ So ähnlich. Es ging vor allem um den Mord an Boris Nemzow. Seine Tochter war unter den Gästen. Dazu Menschen, die sich vom Kreml bedroht fühlen und Menschen, die für einen Ausgleich mit Russland plädieren. Und russische und deutsche Medienmenschen. Brisantes Setting, ernstes Thema, will ich jetzt nicht vertiefen. Nur dies: SIE HABEN WIEDER GEKLATSCHT.
Ich meine die Masse, die man zu solchen Anlässen in ein ARD oder ZDF-Studio karrt, um der Veranstaltung so etwas wie einen seriösen Öffentlichkeitscharakter zu geben. Ich meine die Leute. Die haben geklatscht.
„Eine solche Sendung wäre im russischen Fernsehen niemals möglich“ – sie klatschen. „Mein Freund Boris hatte Angst, dass Putin ihn töten lässt“ – sie klatschen. (…) weiterlesen

Der „master of war“ und sein Poet – Jimmy Carter lobt Bob Dylan
06. März 2015 | Aufgelesen  

Herbert und ich sind heute Abend mal wieder die ersten am Stammtisch. „Bob Dylan hat einen Preis gekriegt, hast du’s gelesen?“ Ich schieb mein Bier zur Seite und dreh’ die Zeitung so, dass Herbert Schlagzeile und Foto sehen kann. Der löffelt ungerührt Zucker in seinen Espresso. „Irgendeinen Grammy“, sag ich. „Und weißt du, wer die Preisrede gehalten hat? Jimmy Carter.“

„Und was hat er gesagt?“

„Dass Dylans Worte über Frieden und …“ Ich dreh die Zeitung wieder um und lese vor. „Dass Bob Dylans Worte über Frieden und Menschenrechte weit prägender, machtvoller und bleibender seien, als alles, was von amerikanischen Präsidenten je zu diesen Themen kam.“ Ich strahle zu Herbert hinüber. „Super, oder? Ich meine: Bob Dylan! Hör mal, Herbert!“

„Ja, ganz hübsch.“ Herbert rührt in seinem Espresso herum. „Aber kein Kunststück.“

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Yogi aus dem Schwarzwald ist Weltmeister
15. Juli 2014 | Aufgelesen  

Schön war’s. Ein Rausch. Und anstrengend. Jetzt ist’s vorbei. Das heißt: nicht ganz. Im Sportteil gibt’s noch den Nachhall. Zum Glück. In der SZ ist er heute gespickt mit herrlichen Spitzensätzen. Bei dem hier (Christoph Kneer in liebevoll-ironischem Kontext) musste ich lachen: “… der Yogi aus dem Schwarzwald ist jetzt Weltmeister, ein Zweitligatorjägerle aus Freiburg, darauf muss man erst mal kommen.”

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“Du oder ich” – Maria Lassnig ist tot
07. Mai 2014 | Aufgelesen  

Mit 94 Jahren kann man schon mal sterben, nicht wahr? Trotzdem macht mich die Nachricht von Maria Lassnigs Tod traurig. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil selbst eine hartnäckige Kämpferin wie sie nun kapitulieren musste. Müde sei sie gewesen, liest man heute in einem österreichischen Feuilleton, in Wien, in ihrem Bett sei sie gestern Abend gestorben.
Ich erinnere mich an den Augenblick, als ich zum ersten Mal ein Bild von ihr sah. Vor etwa sieben Jahren sprang es mich aus einer Zeitung an – eine nackte Greisin, in jeder Hand eine Pistole, die linke drückt sie an ihre Schläfe, mit der rechten zielt sie auf den Betrachter: “Du oder ich” Das Bild hat mich augenblicklich für die Malerin eingenommen.
Noch mehr als ihre Bilder bewundere ich ihre Haltung als Künstlerin, ihre Arbeitseinstellung. Sie lerne immer weiter, hat sie einmal gesagt, und: “Man darf nie aufhören gut sein zu wollen. Man muss immer versuchen, noch besser zu werden.”

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