35 Jahre Gefängnis für Bradley Manning

Ein Blick auf die Titelseite der Süddeutschen Zeitung heute: Ein Foto des von Angst und Erschöpfung gezeichneten Manning in Uniform und Handschellen zwischen seinen Bewachern. Auf der gefalteten Zeitung liest man – zufällig oder redaktionell gewollt? – direkt unter Mannings Foto die Schlagzeile zu einem  weiteren aktuellen Thema.  Sie lautet: Mubarak kommt frei.  Ein ebenso klares wie hässliches Spiegelbild unserer Welt:  Der als Regierungsvertreter Verbrechen begangen hat, kommt frei, und der die Verbrechen seiner Regierung bekannt gemacht hat, geht hinter Gitter …
Die Anklage forderte für den bedauernswerten Manning sogar 60 Jahre, denn – man höre und staune – er habe Menschenleben gefährdet.  Um den Zynismus, ja die Absurdidät dieser Begründung in das grelle Licht zu rücken, das sie verdient, erlaube man sich einfach mal die Frage, wie viele Menschenleben die US-Regierung mit Ihrer Invasion des Iraks gefährdet hat.  Um das auszurechnen, könnte man ja die Zahl der Zivilisten zugrunde legen, deren Leben während der Invasion und der Besetzung des Landes durch Gewalt nicht nur gefährdet, sondern tatsächlich vernichtet wurde. Nach den letzten Zahlen, die ich gelesen habe, waren das mindestens: 300.000. 300.000 Tote auf dem Konto der US-Regierung.  Das wir von der Treibjagd per Helikopter auf einige dieser 300.000 wissen,   geht übrigens auf Mannings Konto.
Ganz andere Frage:  Was treiben eigentlich Bush jun. und seine Komplizen so? Dick Cheney habe ein neues Herz bekommen, hört man, Donald Rumsfeld seine Memoiren geschrieben; diese für die Welt unverzichtbare Arbeit wird ihn doch wohl von weiteren Bemühungen um die Legitimierung der Folter abgehalten haben?  Und George Bush jun.? Porträtiert Hunde, oder wenigstens seinen Terrier.  Nein, nicht Tony Blair – der hat sich jüngst um ein hohes außenpolitisches Amt in der EU beworben – sondern einen echten, tierischen Terrier.

22. August, 2013

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